
Thailand vor Ort - Reisebericht
Wo unsere Tee-Rohwaren entstehen
- Katja Schröder, Einkäuferin Ingredients
Gemeinsam mit meinem Kollegen Lars Glaser war ich in Thailand unterwegs, um wichtige Rohwaren für unsere Teeproduktion zu besuchen. Im Fokus standen Ananas, Lemongras sowie gezuckerte Früchte wie Mango und Papaya – Zutaten, die in zahlreichen Früchtetees und Kräutermischungen eingesetzt werden. Direkte Gespräche mit Produzenten, Besuche auf Plantagen und Einblicke in die Verarbeitung helfen uns, Herkunft, Qualität und Lieferketten besser zu verstehen. Gleichzeitig stärken solche Reisen unsere langfristigen Partnerschaften mit den Produzenten vor Ort.
Landwirtschaft in Thailand

Viele landwirtschaftliche Betriebe in Thailand arbeiten noch immer stark manuell. Von der Ernte bis zur Sortierung erledigen zahlreiche Helfer, häufig Arbeitsmigranten aus Myanmar, einen Großteil der Arbeit von Hand. Migration und politische Rahmenbedingungen beeinflussen zunehmend die Verfügbarkeit dieser Arbeitskräfte. Das hat direkte Auswirkungen auf Erntemengen, Planungssicherheit und Kostenstrukturen.
Ein weiterer Grund für die Handarbeit ist das Gelände: Ananas werden häufig in hügeligen oder bergigen Regionen angebaut. Große Erntemaschinen sind dort kaum einsetzbar. Interessant war jedoch zu sehen, dass sich erste technologische Entwicklungen abzeichnen. Bei einem unserer Bio-zertifizierten Lieferanten wird bereits künstliche Intelligenz eingesetzt, um die Qualität der Früchte zu bewerten und die Sortierung der Ernte zu automatisieren.
Lemongras, ein Rohstoff für über 500 Teemischungen


Lemongras ist eine der wichtigsten Kräuterzutaten in unserem Sortiment. Jährlich beziehen wir rund 105 Tonnen Lemongras, das in mehr als 500 Katalog- und Kundenmischungen eingesetzt wird. Etwa die Hälfte dieser Menge stammt aus Thailand, wo wir das Lemongras in unterschiedlichen Schnittgrößen beziehen, bevorzugt aus zertifiziert biologischem Anbau. Die Umstellung auf Bio-Anbau ist in Thailand jedoch nicht immer einfach. Viele Rohstoffe stammen von Kleinbauern, deren Strukturen sich deutlich von den größeren, stärker industrialisierten Betrieben in Ländern wie Vietnam oder den Philippinen unterscheiden. Gerade deshalb ist der persönliche Austausch mit den Produzenten wichtig: Nur so können wir langfristig stabile Lieferketten und gleichbleibende Qualität sichern.
Verarbeitung und Qualitätskontrolle
Nach der Ernte wird Lemongras in mehreren Verarbeitungsschritten aufbereitet, um eine gleichmäßige und hygienisch einwandfreie Rohware für die Teeproduktion zu erhalten. Zunächst werden die frischen Halme maschinell in definierte Schnittgrößen zerkleinert. Anschließend folgt ein gründlicher Waschprozess in großen Wasserbecken, bei dem Erde, Staub und Pflanzenreste entfernt werden. Nach der Reinigung wird das Lemongras getrocknet, um den Wassergehalt zu reduzieren und die Haltbarkeit zu sichern. In einem letzten Schritt erfolgt die Sortierung auf Förderbändern, bei der Mitarbeiter Fremdteile entfernen und die Qualität kontrollieren. Erst danach wird das getrocknete Lemongras verpackt und für den Export vorbereitet – ein Prozess, der zeigt, wie viel sorgfältige Verarbeitung hinter einer scheinbar einfachen Zutat in unseren Teemischungen steckt.
Schneiden des Lemongrases
Waschprozess
Das geschnittene Lemongras wird in Wasserbecken gereinigt, um Erde und Fremdstoffe zu entfernen.
Sortierung und Qualitätskontrolle
Zwischenlagerung der geschnittenen Ware
Nach der Verarbeitung wird das Lemongras gesammelt und für den nächsten Verarbeitungsschritt vorbereitet.
Ananas, Mango und Papaya als wichtige Zutaten für Früchtetees

Thailand zählt zu den weltweit bedeutendsten Anbauländern für tropische Früchte. Für unsere Früchtetees sind vor allem gezuckerte Ananas, Mango und Papaya von großer Bedeutung. Unser jährlicher Bedarf an diesen kandierten Früchten liegt bei über 65 Tonnen. Rund 30 Tonnen entfallen allein auf Ananas, die in etwa 325 verschiedenen Teemischungen eingesetzt wird. Die Größe der Plantagen vor Ort zeigt eindrucksvoll, welche Dimensionen der Anbau erreichen kann. Gleichzeitig wird deutlich, wie stark Qualität von Erfahrung und sorgfältiger Pflege der Pflanzen abhängt.
Der Anbau von Ananas erfordert Geduld. Es kann zwei bis drei Jahre dauern, bis sich eine Blütenknospe bildet. Danach benötigt die Frucht etwa sechs Monate, bis sie vollständig ausgereift ist. Für mich war ein besonderer Moment, eine reife Ananas direkt im Feld zu probieren. Solche Eindrücke vermitteln ein unmittelbares Gefühl für Qualität – etwas, das sich allein durch Laboranalysen nicht erfassen lässt.
Warum im Tee häufig kandierte Früchte verwendet werden
In vielen Früchteteemischungen werden kandierte statt nur getrockneter Früchte eingesetzt. Das hat mehrere Gründe. Beim Kandieren werden die Früchte in Zuckersirup eingelegt. Dabei wird ihnen Wasser entzogen, während sie gleichzeitig Zucker aufnehmen.
Das hat mehrere Vorteile:
eine intensivere, natürliche Süße
eine stabilere Struktur der Fruchtstücke
eine längere Haltbarkeit der Mischung
Gerade in Früchtetees trägt diese zusätzliche Süße zu einem ausgewogenen Geschmack bei und unterstützt das fruchtige Aroma der Mischung.
Papaya-Ernte: Arbeit zwischen Wasserwegen


Ein besonders eindrückliches Erlebnis war für mich die Papaya-Ernte in wasserreichen Anbaugebieten. Einige Felder sind nur per Boot erreichbar, und geerntet wird teilweise knietief im Wasser. Diese Arbeitsbedingungen verdeutlichen, wie anspruchsvoll der Anbau vieler tropischer Früchte ist. Ein weiterer Aspekt: Unreife Papayas geben beim Pflücken Latex ab, der die Haut reizen kann. Deshalb müssen Erntehelfer besonders vorsichtig arbeiten.
Nach der Ernte folgen mehrere Verarbeitungsschritte: Waschen, Schälen, Schneiden, Trocknen oder Kandieren. Unter diesen Bedingungen verarbeitet ein Erntehelfer etwa eine Tonne Papaya pro Tag.
Bio-Anbau und Klimarisiken
Wo immer möglich, beziehen wir unsere Rohwaren in Bio-Qualität. Selbst wenn sie später in konventionellen Produkten eingesetzt werden, stellen wir so sicher, dass die strengen EU-Rückstandswerte eingehalten werden. Der Bio-Anbau ist in Thailand grundsätzlich möglich, insbesondere bei Ananas und Mango. Für die Landwirte bedeutet er jedoch höhere Kosten und zusätzliche Anforderungen.
Während unseres Aufenthalts in der Region Phetchaburi wurden zudem die Auswirkungen des Klimawandels deutlich spürbar. Die Region zählt zu den wichtigsten Anbaugebieten für Ananas in Thailand. Zwar gehören Oktober und November traditionell zu den regenreichsten Monaten, doch zunehmend wechseln sich lange Regenperioden mit intensiver Hitze ab. Für die Plantagen bringt das zusätzliche Risiken: starke Sonneneinstrahlung kann bei Ananas zu Sonnenbrand führen, während Starkregen und Überschwemmungen die Anbauflächen belasten und insbesondere im Bio-Anbau die Erträge verringern.
Was wir aus Thailand für unseren Einkauf mitnehmen
Diese Reise hat mir erneut gezeigt: Hochwertige Rohwaren entstehen nicht zufällig. Sie sind das Ergebnis harter Arbeit, Erfahrung, klimatischer Bedingungen und vor allem verlässlicher Partnerschaften mit den Produzenten vor Ort. Der direkte Austausch mit unseren Partnern sowie Einblicke in Anbau und Verarbeitung helfen uns, Qualität und Lieferketten realistisch einzuschätzen.
Dieses Wissen fließt unmittelbar in unsere tägliche Arbeit ein, sowohl in die Auswahl der Zutaten für unsere Teeproduktion als auch in unseren Geschäftsbereich Ingredient Trading. Hier bündeln wir unsere Erfahrung im direkten Rohwarenhandel mit Produzenten weltweit.
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